Text zur Haltung “Reise in die Unterwelt”

Die Reise in die Unterwelt 

Die drei Welten

Die wohl allerälteste und zugleich einfachste Ordnungs-Gliederung der Welt kommt in allen frühen Kulturen vor: eine „mittlere Welt“ (die Welt der Menschen, Pflanzen und Tiere), die „obere Welt“ (auch „Oberwelt“: die Welt der Ideen und Visionen) und die „untere Welt“, auch „Unterwelt“ (die Welt der Ahnen, der „Kraftwesen“ oder „Kraftgeister“ wie Pflanzen- und Tiergeister)

 

Die Trance

Ebenso in allen frühen Kulturen verwendeten Menschen zum Übertreten in andere als die alltägliche Wirklichkeiten die Trance. Das Wort „Trance“ kommt vom lat. transire und bedeutet hinübergehen. Diese ursprünglichen Trancen sind Wachtrancen, heißt, die Trancereisenden sind bei vollem Bewusstsein und wissen, dass sie in Trance sind (im Gegensatz zu den viel späteren „Possessiv-Trancen“, nach denen nahezu jegliche Erinnerungen fehlen).

 

Das Ritual und der Ritus

Jede Form des Übertrittes braucht eine feste Form, das Ritual. Die Abfolge der Schritte, der Verlauf und das Beenden und Zurückführen in die Alltagswelt folgen einer über Generationen festgelegten rituellen Form. Jede Stammesgemeinschaft pflegte ihre je eigenen Riten – eine Sammlung von verschiedensten Verhaltensweisen, die zur Stammestradition gehören. Ein Ritual ist eine einzelne, symbolische Handlung mit spezifischer Ausrichtung.
Es gibt zahlreiche Arten von Trancen, die „Reise in die Unterwelt“ ist – wie der Name schon sagt – eine Reisetrance.

 

Der Stimulus

Alle Trancen werden mit Hilfe eines spezifischen Stimulus gestartet und geführt – die Liste der heute bekannten Stimuli für Trancen ist riesig.

Wir in der Schule für Bewusstsein verwenden für die Jahreszeitenfeste eine traditionelle Kürbisrassel oder eine Trommel – die ältesten Stimuli für Trancen überhaupt. Bei anderen Tranceformen (Drehtanz, Ecstatic Dance, hypnagoge Trancen) sind es passende Musik und die Stimme der Tranceleitenden.

 

Die (Trance)Reise in die Unterwelt

Für die Wintersonnwende 2025 bietet sich die Tranceform der „Reise in die Unterwelt“ an. Entsprechend der längsten Nacht, dem längsten Dunkel des Jahres, führt diese Tranceform in die „untere Welt“ und letztlich zu einer Begegnung mit dem Urdunkel, dem Urgrund von allem Sein.

Als Stimulus werden zwei Elemente zusammengeführt: als akustischen Stimulus die Rassel und danach die Trommel, und als körperlicher Stimulus eine rituelle Körperhaltung.
Die aktuelle rituelle Körperhaltung für die Wintersonnwende 2025 ist eine aus Südamerika stammende Haltung, wie sie Michael Harner von den Jivaro-Indianern in Ecuador beschreibt. Auch Felicitas Goodman benutzte diese und ähnliche Haltungen für den gleichen Zweck.

 

Begegnungen in der Unterwelt

In der Schule kennen wir zahlreiche Beschreibungen von Erlebnissen und Begegnungen in der Unterwelt, wenn man diese Trancehaltung während der Trancereise einnimmt.

Grundsätzlich sind alle Erlebnisse individuell einzigartig, dennoch lassen sich klare Gemeinsamkeiten finden. Auch können die mitgebrachten Botschaften (= Einsichten aus dem Geschehen in der Trance-Unterwelt) für alle anwesenden Mitreisenden relevant und aussagekräftig sein.

Der Abstieg wird oft als tunnel- oder höhlenartig beschrieben, die Unterwelt selbst ist meist völlig dunkel oder gänzlich stockfinster. Dennoch können Gestalten klar oder schemenhaft erscheinen und wir Reisende können mit ihnen Kontakt und Begegnung herbeiführen. Charakteristisch sind Begegnung mit den Ahnen, Geistern und Krafttieren, die dort beheimatet sind und Hilfestellung leisten oder eine Botschaft mitgeben können.

 

Der Wesenskern dieser Trance: Urdunkel und Urlicht.

In den Kosmologien nahezu aller frühen Kulturen ist der Kern der Unterwelt das vollständige, immerwährende Dunkel – das „Ur-Dunkel“. Die Namensgebungen unterscheiden sich je Kultur, der Wesenskern ist immer der gleiche. Das Urdunkel ist weiblich und wird als „Ur-Gebärmutter“ gesehen. So schreibt Hyemeyohsts „Chuck“ Storm in „Lightningbolt: Die Weisheit der Medizinräder“: „Wahkahn ist die Kreatorin Mutter und die große Null, die Gebärmutter, die die gesamte Existenz gebiert“.

 

Am Ende der Trance verbinden sich die Reisenden im Urdunkel mit den ersten neuen Lichtstrahlen, dem „Urlicht“ und steigen wieder in die mittlere Welt, ihre Alltagswelt auf.

 

Das Feiern der Wintersonnwende in der Schule für Bewusstsein

Als Form der „a-religiösen Rückbindung“ feiern wir in der Schule diese Feste, um uns wieder in den Zyklus der Jahreszeiten als ursprünglichsten natürlichen Zeittakt einzuklinken.

Bei den Kelten hieß die Wintersonnwende „Yule“ oder „Jul-Fest“ und markierte im keltischen Kalender den Jahresbeginn des keltischen Sonnenjahres.

Auch die Schule für Bewusstsein feiert die Wintersonnwende, heuer am 21.12.2025 um 16h03. Es ist der astronomisch kürzeste Tag und die längste Nacht im Jahr. Die Wintersonnwende markiert den Übergang vom Dunkel zum Licht. Danach steigen die Sonnenstunden langsam wieder an, die jährlich wiederkehrende Erneuerung des Lebens beginnt aufs Neue.

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