Arnold Keyserling, 18.12.1972
DER WEG FÜHRT AUS DEM DUNKEL ZUM LEBEN.
WER versucht nicht das Dunkel zu achten,
kann nie das Licht erleben.
Suche weiter nach dem Trüben
und schaffe täglich neue Dinge.
Was ist das Dunkel? Es bedeutet, sich ganz der Liebe anzuvertrauen.
Es bedeutet, das Ungewisse als bergend zu erkennen und sich nicht zu fürchten, dass man nicht weiß, wohin der Weg führt.
Der Weg führt aus dem Dunkel, aus der Geborgenheit, zum Leben.
Was heißt nun Leben?
Es bedeutet Entfaltung, hat kein Ziel, das erkennbar ist,
sondern Triebe, Motive, die ihr Gesetz in sich tragen.
Ein Weg verbindet das Dunkel, das geborgene Urvertrauen
mit dem Leben, dem Wachstum.
Wer nicht das Dunkel achtet, hat keinen Ausgangsort
und kann deshalb nicht zum Licht.
Denn nur das Leben erfährt das Licht und nicht das Dunkel, das keiner Hilfe bedarf, weil es alles in sich trägt als Kraft und Sporn.
Die Suche nach dem Trüben bezieht sich auf das, was geklärt werden kann.
Im Klaren schaffst du neue Dinge,
weil erst durch das scheinende Licht ihre Verschiedenheit und Sonderheit sichtbar wird.
Jeden Tag müsse man so beginnen,
denn nur damit entsteht der Weg,
der über das Leben
die Urgeborgenheit
vermittels des Schaffens
mit der strahlend-scheinenden Harmonie verbindet.
